Festakt zum 75-jährigen Jubiläum Drucken E-Mail
Geschrieben von Jürgen Wirtz   
Donnerstag, 1. Juli 2010

Der folgende Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Homepage der Pallottiner www.pallottiner.org entnommen. 

 "Die Pallottiner sind zu Rheinbachern geworden" -

Provinzial P. Becker: Schule verwirklicht Idee Pallottis 

jubilaeum75.jpg Die Aula des Vinzenz-Pallotti-Kolleg war während des Festaktes bis auf den letzten Platz gefüllt.

Rheinbach/29.06.2010 - Erste Kontakte gab es schon 1914. Damals versuchte Karl Commeßmann, Bürgermeister von Rheinbach, die Pallottiner dafür zu gewinnen, in seiner Stadt eine Schule zu gründen. Doch dazu kam es erst 1935. Die Gemeinschaft übernahm das Hermann-Josef-Konvikt der Erzdiözese Köln. Die Pallottiner können somit auf eine 75-jährige Geschichte in der Voreifel-Stadt zurück blicken.

Und das wurde im Vinzenz-Pallotti-Kolleg, am 27. Juni 2010, gebührend gefeiert. Während des Festaktes blickte P. Wilhelm Steffans, der sein ganzes Pallottiner-Leben in Rheinbach verbracht hat, in die Geschichte: Die Pallottiner-Schule in Vallendar platzte aus allen Nähten, deshalb suchte man eine zweiten Standort. Und so zogen 1935 zwei Patres und sechs Brüder nach Rheinbach.

Zusammen mit Dernbacher Schwestern kümmerten sie sich damals um 88 Schüler. In einen leerstehenden Teil des Konviktes zogen 1935 noch Philosophiestudenten der Gemeinschaft ein, die in Olpe keinen Platz mehr hatten. Dem Philosophiestudium machten die Nazis 1939 ein Ende.

Das Konvikt, das jetzt schon 160 Schüler zählte, konnte bis 1944 bestehen bleiben. Doppelter Neuanfang Am Ende des Zweiten Weltkrieges lag das Gebäude zum großen Teil in Trümmern. Dennoch entschlossen sich die Pallottiner zu einem doppelten Neuanfang. Das Konvikt zog in ein anderes Haus in der Stadt um und blieb bis 1967 unter dem Namen "Konvikt St. Albert" bestehen. Die Schüler machten aber weiterhin ihr Abitur am Städtischen Gymnasium. Das Hermann-Josef-Kolleg wurde nun zur einzigen Nachwuchsschule der Norddeutschen Pallottiner ausgebaut und erhielt 1965 den Titel Vinzenz-Pallotti-Kolleg. Die Trümmer wurden zu einem Trümmerberg zusammengetragen, auf dem 1950 eine große Schönstatt-Kapelle erbaut wurde, die bis heute für die Schulseelsorge, für Trauungen und Gruppengottesdienste gerne genutzt wird.

2397_steffanskirfelnormal.jpg Kompetent und detailreich: P. Wilhelm Steffans (l.) und Schulleiter Helmut Kirfel blickten in ihren Vorträgen auf 75 Jahre pallottinischen Wirkens zurück.

Die Restgebäude wurden ergänzt und durch neue Schul- und drei Internatsgebäude - sowie 1971 durch die große Pallotti-Kirche - erweitert. Sie ist heute aus dem pastoralen Leben des Großraums Rheinbach nicht mehr wegzudenken.
Das Internat, das lange Jahre von den Patres Werner Zinndorf, Kunibert Quast, Raimund Weber, Hans-Joachim Winkens und zuletzt Herrn Knut Nafe geleitet wurde und das zu seinen Glanzzeiten an die 400 Schüler hatte, musste 2009 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden.
Gebäude und Aktivitäten machten das Pallotti-Kolleg zu einem regelrechten Dorf in der Stadt. Die höchste Zahl an Pallottinern lebte hier Mitte der 1970er Jahre: 32 Patres und 14 Brüder.
Heute leben in Rheinbach 24 Pallottiner; dazu zählt auch P. Klaus Gröters, Pfarrer der St.-Martin-Gemeinde. Denn vor 38 Jahren übernahm die Gemeinschaft neben ihrer Tätigkeit in Schule und Erziehung auch die Pfarrseelsorge vor Ort. Selbstverständlich war und ist immer auch die Mithilfe in der Pfarrpastoral der Umgebung.
Das betonte P. Steffans in seinem kompetent erarbeiteten Rückblick. Anfangs 88 Schüler - heute mehr als 800

Einen zweiten Rückblick leistete im Jubiläumsfestakt Schulleiter Helmut Kirfel. Er skizzierte den äußeren und inneren Werdegang des Gymnasiums, das erstmals 1969 ein staatlich anerkanntes Abitur verleihen durfte. Seit 2003 Schulleiter erinnerte er an seine Vorgänger im Amt, die Pallottinerpatres Heribert Nentwig, Rolf Erhard und Werner Dohn und ihren Einsatz für das „Unternehmen Pallotti-Schule". In die Zeit von P. Dohn fällt übrigens der letzte große Neubau des Kollegs, die moderne „Zweifachturnhalle".
Bemerkenswert an der Rede von Oberstudiendirektor Kirfel war nicht allein die detailreiche Darstellung der Schulgeschichte, sondern auch sein Blick auf die Wandlungsfähigkeit der Pallottiner und ihrer Schule, die sich immer neu den Herausforderungen der jeweiligen Zeit stellten. 1945 war noch klar: die Pallottinerschule in Rheinbach ist mit ihrem Internat eine Nachwuchsschule. Ab den 1960er Jahren ging es dem Kolleg ganz im Sinne Pallottis und des II. Vatikanischen Konzils um den mündigen Christen, der in Staat und Gesellschaft seinen Mann steht. Die Schule, die einstmals nur für katholische Jungen gedacht war, öffnete sich für andere Konfessionen. Und der Schulleiter attestiert ihr heute eine „gut funktionierende „Vor-Ort-Ökumene", die in ihrer unaufgeregten Problemarmut ihresgleichen sucht". 
Veränderung gab es Mitte der 1970er Jahre. Die Reform der Oberstufe war damals nur durch eine Zusammenarbeit mit der benachbarten St. Josef-Schule zu bewerkstelligen war. Das Mädchengymnasium der Schwestern Unserer Lieben Frau ist heute in der Trägerschaft des Erzbistums Köln. Wandel erlebte auch das Lehrerkollegium, indem heute nur noch ein Pallottiner tätig ist. Kirfel betonte in diesem Zusammenhang den Wert der Schulseelsorge und verwies auf die Patres Ludger Zewe, Martin Manus und Heinz-Willi Rivert. Er dankte den zahlreichen Lehrerinnen und Lehrern, die sich in Religionsunterricht, in Projekten der Schulseelsorge und in der Gestaltung der Gottesdienste einbringen.
Die höchste Schülerzahl hatte das Pallotti-Gymnasium übrigens 2006 mit 821 Jungen. Die heutige Zahl liegt knapp darunter.

Der „Schulpolitiker" Kirfel, der natürlich auch die schwieriger werdende finanzielle Absicherung privater Schulen heute thematisierte, endete seine Rede mit vier Voraussetzungen, die für den weiteren Erfolg einer katholischen Schule in freier Trägerschaft unverzichtbar seien: "Chancen im Wandel" Es brauche genügend Eltern, die für ihre Kinder eine solche Bildung und Erziehung wünschten, und erwachsene Schüler, die diese Richtungsentscheidung ihrer Eltern bejahen. Es brauche eine hinreichend große Zahl von Lehrern, die diese Vorstellung von Bildung und Erziehung nicht allein theoretisch kennen und vermitteln, sondern auch mit ihrem Leben erfahrbar machen und somit zu Identifikationsfiguren für junge Menschen werden. Es brauche politische Kräfte, die die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die ökonomisch-materiellen Ressourcen für solche Schulen bewahren. Und zuletzt Träger, denen christliche Bildung und Erziehung ein Kernanliegen ihres Wirkens sei.
Kirfel wörtlich: „Wer die Jugend nicht mehr für den christlichen Glauben zu begeistern in der Lage ist, wird die gleichen Menschen im mittleren Alter nur schwer erreichen, wenn überhaupt."

Der heutige Bürgermeister von Rheinbach, Claus Wehage, dankte „mit Respekt und Zuneigung" den Pallottinern für ihr Engagement. Er habe sich besonders über den Satz von P. Steffans gefreut: „75 Jahre sind die Pallottiner in Rheinbach; die Pallottiner sind zu Rheinbachern geworden."

Pallotti-Schüler und Pianist: Timo Stomberg sorgte für die musikalische Untermalung des Festaktes.

Unter den zahlreichen Gästen konnte P. Werner Dohn, Rektor der Pallottiner im VPK, Bundesumweltminister Norbert Röttgen begrüßen, der als Rheinbacher dem Kolleg sehr verbunden ist.

Den Festgottesdienst in der Pallottikirche gestaltete der Kirchenchor der Pfarrei St. Martin, der unter der Leitung von Manfred Moskopp die 1985 von Herrmann Schröder komponierte Pallotti-Messe sang.

Provinzial P. Hans-Peter Becker stand dem von Vizerektor P. Horst Liedtke vorbereiteten Gottesdienst vor. Er freute sich, dass unter den vielen Konzelebranten auch viele ehemalige Pallotti-Schüler waren. In seiner Predigt betonte er die Dankbarkeit für die 75-jährige Geschichte der Gemeinschaft in Rheinbach, hob aber zugleich hervor, dass man sich immer neu dem Wandel stellen müsse um die jeweilige Gegenwart zu meistern. Dabei mahnte er eine Haltung an, die der des hl. Vinzenz Pallotti gleich komme und die dieser nach dem Paulus-Satz „Die Liebe Christi drängt uns" gelebt habe. Natürlich gehe es oft um Strukturen, um Finanz- und Personalfragen. Immer aber gehe es um den jungen Menschen in seiner Suche nach einem Geist, der das Leben trägt. „Und das kann niemals der jeweilige Zeitgeist sein." Es gelte, nach dem Geist der Liebe Gottes zu suchen und dabei nach vorne zu schauen. Natürlich könne man es bedauern, dass heute manches nicht mehr so sei wie früher. In jedem Wandel lägen Chancen.

Er bedaure nicht, so der Provinzial, dass das Vinzenz-Pallotti-Kolleg keine reine Nachwuchsschule mehr sei. „So wie sie heute existiert, verwirklicht diese Schule die Idee Pallottis, dass alle ihre Berufung finden und in ihrem Lebensalltag umsetzten."

 
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